Ich hatte meinen Kollegen Ralf um Rat wegen eines Beratung-Mandates gebeten. Er schickt mir die Kontaktdaten einer ihm bekannten Beraterin. Kommentar: „Sei vorsichtig. Tough Cookie“. Kollegin Nina, die ich ebenfalls nach ihrer Meinung zu vorgeschlagener Dame frage, rümpfte sofort die Nase: „Miststück“.

Aha. Verstehe. Er: „Tough Cookie „. Sie: „Miststück“.

Madeleine Albrights Aussage, dass es „in der Hölle gibt es einen besonderen Platz für Frauen gibt, die andere Frauen nicht unterstützen“ ist inzwischen zum geflügelten Wort geworden. Leider scheint dieser Teil der Hölle ziemlich voll zu sein.

Ich frage mich: Warum gönnen Frauen sich gegenseitig noch so selten die Butter aufs Brot? Liegt es vielleicht daran, dass Wettbewerbe zwischen Frauen oft als ewiger Kampf auf Leben und Tod geführt werden? Bei Männern ist das anders rum: kurze,  heftige Auseinandersetzung und dann wieder Buddys mit Bier. Was macht es für Frauen so schwierig, andere Frauen zu unterstützen? Im weiblichen Muster suchen wir instinktiv mehr nach der neuen „besten Freundin“. Geistig sind wir immer noch auf dem alten Schulhof: Wenn sie mich nicht mögen, wenn ich nicht Teil der Clique bin, mag ich sie auch nicht. Und dann ist man bald Teil des Feind-Bildes.

Diese unbewusste Voreingenommenheit hat mit der Gleichheits-Bias zu tun: Wir alle bevorzugen unbewusst grundsätzlich Menschen, die ähnlich wie wir ticken. Daran leiden wir alle gleichermaßen. Die besondere Crux für Frauen dabei ist, dass wir zwar nach „Gleichen“ suchen. Aber wehe, sie sind zu gleich oder gar genauso wie wir. Dann wittern wir Konkurrenz. Dabei ist es für wirkliche Diversität gerade notwendig, genau diese Bias auszuschalten und stattdessen Menschen einzubeziehen, die anders denken und handeln. Insbesondere am Arbeitsplatz und auf der Karriere-Leiter.

Hillary Clinton ist ein Beispiel dafür: bestraft zu werden, weil sie sich weigerte, unter Frauen jedermanns Freundin zu sein. Auch von Frauen, die mit ihr auf Augenhöhe waren.

Diesen Kampf an sich kennt die Menschheit schon ewig. Bei Männern ist es leichter zu merken: Sie stehen frontal vor einem, lassen einen Schlachtruf ertönen und schwingen das Schwert. Da weiß man wenigstens, was kommt. Frauen dagegen arbeiten viel öfter mit Gift: man merkt es oft gar nicht oder viel zu spät. Männer sehen sich untereinander eher als Herausforderung, Frauen sich eher als Bedrohung. Nicht als Bereicherung des Arbeits-Umfeldes und möglicherweise als Trittbrett zum nächsten Karriereschritt. Dabei gibt es zwischen „Feind“ und „BFF (Best Friend Forever)“ Tausende von „Grautönen“. BFF’s sind für Arbeitsbeziehungen nicht zwingend notwendig.

Was braucht es nun, damit Frauen sich gegenseitig unterstützen?

  • deutlich sichtbar und fühlbar machen, was sich mit wahrer Diversität gewinnen lässt. Die Vorteile deutlich zeigen. Wenn sichtbar und greifbar ist, wofür man jemanden um Unterstützung bittet, wird sie leichter gegeben.   
  • mehr nach Kameradschaft (ja, das wird eher dem maskulinen Muster zugeschrieben) suchen, anstatt in jedem Business-Kontakt die neue beste Freundin zu suchen.
  • sich darauf konzentrieren, Herausforderungen gemeinsam anzugehen, auch wenn man es oft als einschüchternd erlebt (weil die andere besser aussieht, fähiger ist oder einfach nur netter…)
  • nach einer weiblichen Mentorin suchen
  • sich mehr aufs Ergebnis als auf den Prozess konzentrieren, ohne sein Licht dabei unter den Scheffel zu stellen.  

 

Wenn wir zum „new now“ übergehen, ist das nicht DIE Gelegenheit, uns auf unsere allerbeste feminine Art und Weise zu zeigen? Um diesen Zug nicht zu verpassen, in dem die Männer längst wieder ihren Platz eingenommen haben und die „Post-Corona“-Positionen untereinander aufteilen. Was wir alle davon haben: mehr Unterstützung für feminine Ideen. Bessere Resultate mit mehr Diversität. Und damit breitere geschäftliche Wertschätzung für die feminine Art des Erfolgs.